Visuelle Medien und räumliche Zusammenhänge im vorreformatorischen Mitteleuropa: Das Sakralensemble in der Zips (Slowakei), ca. 1425-1525

 

FWF-Projekt P 33726-G (1. September 2020 - 31. August 2024)

Projektleitung: O. Univ.-Prof. Dr. Michael Viktor Schwarz

Forschung: Dr. Tim Juckes


Medienensembles des Spätmittelalters haben sich in nur wenigen Regionen als sakralräumliche Systeme erhalten - das Ergebnis einer toleranten Form des Luthertums, die Kirchen von gegenreformatorischen Umgestaltungen schonte und sie gleichzeitig in ihrem vorreformatorischen Zustand einfror. Unter den wichtigsten regionalen Beständen - die sich vor allem in Franken (Süddeutschland), im Ostseeraum (Norddeutschland, Nordpolen, Gotland) sowie in der Zips (Spiš, Slowakei) befinden - wurde bislang das slowakische Material am wenigsten erforscht. Im Rahmen des Projektes wird ihr besonderes Potenzial durch eine Untersuchung von fünf hervorragenden Anlagen erschlossen: die Kollegiatskirche in Spišská Kapitula, die Stadtkirchen in Levoča und Spišská Sobota sowie die Dorfkirchen in Strážky und Smrečany.

Es gibt zwei Ziele. Erstens wird jede Anlage bezüglich ihrer einzelnen Komponenten und Eigenschaften als Ensemble ausgewertet. Durch eine multimediale Erfassung der wichtigsten Raumzonen - u. a. der Umgebung des Hochaltars, der Schwelle zum Chor sowie der Portalbereiche - werden lokale Entfaltungsprozesse rekonstruiert. Zweitens wird anhand dieser ortsspezifischen Ergebnisse und einer weiterführenden Vergleichsanalyse auf die allgemeine Entwicklung des spätmittelalterlichen Sakralensembles eingegangen. Jenseits der verbreiteten Vorstellung des zunehmend überfüllten und unregulierten Kirchenraums am Vorabend der Reformation wird der spätmittelalterliche Kunstboom als eigener Prozess mit seinen besonderen Chronologien, Mechanismen und Nuancen erfasst. Durch die auf Raumnutzung ausgerichteten Untersuchungen werden außerdem Ordnungsprinzipien und Wechselwirkungen identifiziert, die vielseitige Ensembles im Laufe ihrer Entwicklungsphasen prägten. Damit wird nicht nur eine Reihe bedeutender Denkmäler-Ensembles innovativ erforscht, sondern auch ein differenziertes Verständnis überregionaler Phänomene erreicht.