BRUEGEL RELOADED

12.10.2022

 

Bruegel-Rezeption in Literatur, Film und darstellender Kunst

des 20. und 21. Jahrhunderts

Seminarraum 1, Institut für Kunstgeschichte, 18:00 Uhr


Die Werke des niederländischen Malers Pieter Bruegel d. Ä. (* um 1525/30, † 1569) üben noch heute, rund 450 Jahre nach ihrer Entstehung, nicht nur auf Museums-besucher*innen, sondern gerade auch auf moderne Künstler*innen, Schriftsteller* innen und Filmemacher*innen eine anhaltende Faszination aus.

Die Vortragsreihe Bruegel reloaded. Bruegel-Rezeption in Literatur, Film und Darstell-ender Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts stellt in drei öffentlichen Abendvorträgen Aspekte der modernen und zeitgenössischen Bruegel-Rezeption in verschiedenen Kunstgattungen und Medien vor. Werke des niederländischen Malers finden nicht nur in der Bildenden Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts immer wieder Eingang, sondern werden auch in der Literatur (in der deutschsprachigen Dichtung etwa bei Georg Trakl und Gottfried Benn, in der polnischen bei Zbigniew Herbert), im Film (etwa in Andrej Tarkowskijs Solaris oder Lech Majewskis Die Mühle und das Kreuz) und in der Darstellenden Kunst (beispielsweise in der Oper Le Grand Macabre des ungarischen Komponisten Györgi Ligeti) aufgegriffen und reflektiert.

Worin aber liegt die – nicht zuletzt in Osteuropa besonders stark ausgeprägte – Faszination von Literat*innen, Filmemacher*innen und Musiker*innen des 20. und 21. Jahrhunderts für die Kunst Bruegels begründet? Es sind nicht allein die existentiellen Themen, die der Maler in seinen ebenso vielschichtigen wie originellen Gemälden oft mit großer Ironie angesprochen hat. Auch die spezifische, selbst vielsagende Art und Weise, in der diese Themen dargestellt sind, übt offenkundig nach wie vor einen großen Reiz aus. Die detailreichen und kleinteiligen „Wimmelbilder“ verlangen ihren Betrachter*innen nicht nur ein aufmerksames Bildstudium ab, sondern animieren sogleich zu einem regelrechten Eintauchen und Sich-Verlieren in der schrecklich-schönen Bilderwelt. Bruegels raffiniertes Spiel mit Zeitlichkeit, wenn etwa Szenen der Mythologie und christlichen Historie von Bruegel in moralisierender Aussageabsicht in die eigene Lebenswelt überführt werden, legt dabei zugleich Strategien der Aktualisierung nahe, wie sie sich dann vielgestaltig in der modernen Bruegel-Rezeption finden.


Die Vortragsreihe findet in Kooperation mit der Kunsthistorischen Gesellschaft (https://kunstgeschichte.univie.ac.at/ueber-uns/kunsthistorische-gesellschaft/) statt und wird von CAMPUS AKTUELL unterstützt.


Termine


12. Oktober 2022

Prof. Dr. Jürgen Müller (TU Dresden)
Die Moderne denken. Die Rezeption Pieter Bruegels bei Michel de Ghelderode

30. November 2022
Prof. Dr. Heinrich Kirschbaum (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)
Blinde Munition der Melancholie. Zur Bruegel-Ekphrastik in der Brschnew-Ära

11. Januar 2023
Prof. Dr. Tanja Michalsky (Bibliotheca Hertziana, Rom)
"Unser Bruegel malte viele Dinge, die eigentlich nicht gemalt werden können" (Abraham Ortelius, 1574). Überlegungen zur kinästhetischen 'Natur' von Pieter Bruegels Bildern

Pieter Bruegel der Ältere, Die niederländischen Sprichwörter, 1559.  Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin / Volker-H. Schneider [CC BY-NC-SA]

Pieter Bruegel der Ältere, Die niederländischen Sprichwörter, 1559. Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin Volker-H. Schneider [CC BY-NC-SA]