The Cultural Eye / The Gendered Eye

Projektleitung: Univ.-Prof. Dr. Raphael Rosenberg
Team: Mag. Hanna Brinkmann, Mag. Mario Tadzio Thalwitzer
Laufzeit: 01.07.2013 – 31.12.2017
Fördergeber: FWF. Der Wissenschaftsfond, FWF Stand Alone Project
Kooperationspartner:  Univ.-Prof. Dipl.-Psych. Dr. Helmut Leder, Kunsthistorisches Museum Wien


Neben den individuellen Unterschieden ein Kunstwerk zu betrachten, werden in der kunsthistorischen Forschung seit über hundert Jahren gruppenspezifische Übereinstimmungen angenommen, die vor allem auf geographische, historische oder soziale Gemeinsamkeiten der Betrachtenden zurückzuführen sind. Es gibt zahlreiche Versuche, kulturell bedingte Sehgewohnheiten zu bestimmen. Sie basieren auf der Analyse von Kunstwerken und schriftlichen Quellen. Da der Sehakt jedoch post hoc nicht direkt gefasst werden kann, bleiben sie notgedrungen theoretisch-spekulativ.

Das vorliegende Projekt baut auf vorangegangenen Studien im weltweit ersten Eye-Tracking-Labor an einem kunsthistorischen Institut auf (Projektleiter: Raphael Rosenberg) und vertieft die bereits bestehende Zusammenarbeit mit dem Institut für psychologische Grundlagenforschung der Universität Wien (Kooperationspartner: Helmut Leder). Im Mittelpunkt stehen vergleichende Studien in denen Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei der Betrachtung von Gemälden untersucht werden. Speziell sollen Unterschiede in der Kunstbetrachtung von Japaner_innen und Östereicher_innen, bzw. von Männern und Frauen analysiert werden. In unserer Hypothese prognostizieren wir die Auswirkung der unterschiedlichen visuellen Sozialisierung der Proband_innen in der Betrachtung von Gemälde. Der erste Teil der Studie findet im Labor statt, der zweite in einem originalen Museumskontext (Kooperationspartner: Kunsthistorisches Museum Wien).
 
Ein neu entwickeltes Eye-Tracking-System bietet erstmals die Möglichkeit, einen Labor-Museum-Vergleich von Blickbewegungen bei der Kunstbetrachtung durchzuführen. Die Auswertung der Blickbewegungsdaten erfolgt durch eine eigens entwickelte Software („Eye-Trace“), mit der wir neben den üblichen okulometrischen Parametern (d.h. Fixationsdauer, Sakkadenlänge und Heat Maps) insbesondere die Strukturen der häufig wiederholten Blicksprünge analysieren, die wie wir bereits nachgewiesen haben, eine hohe Korrelation mit der Komposition des Kunstwerkes aufweisen.
Wir erhoffen uns aus der empirischen Studie mit zeitgenössischen Betrachtenden Rückschlüsse hinsichtlich möglicher historischer Veränderungen der Kunstbetrachtung ziehen zu können.