Frauen-Häuser hinter Klostermauern. Habilitationsschrift von Barbara Schedl erschienen


Am 22. Oktober 2009 wurde an unserem Institut die Habilitationsschrift von Univ.-Doz. Dr. Barbara Schedl präsentiert.

Die in Wien geborene Autorin hat hier 1982 auch das Kunstgeschichtestudium begonnen und 1990 mit der Diplomarbeit „Studien an der Burgruine Starhemberg in Niederösterreich“ (Betreuer: Prof. Dr. Mario Schwarz) beendet. Die 1995 abgeschlossene Dissertation trug den Titel „Die Kronen der Salier und der ersten Staufer. Eine typologische Untersuchung zu den Herrschaftszeichen im 11. und 12. Jahrhundert“ (Begutachter: Univ.-Prof. Dr. Hermann Fillitz und Univ.-Prof. Dr. Artur Rosenauer).

Parallel zur Arbeit an der Dissertation war Barbara Schedl von 1993-1998 an der Kommission für Kunstgeschichte und von 1995-2001 am Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit der österreichischen Akademie der Wissenschaften in verschiedenen Forschungsprojekten tätig, die sich mit der mittelalterlichen Kunst in Österreich, mit dem Aufbau der interdisziplinären Datenbank „REAL“ oder mit „Architekturphantasien – Architekturrealitäten“ beschäftigten.

Damit war auch das Stichtwort bzw. die Voraussetzung für den Einstieg in neue Technologien bei der Erforschung mittelalterlicher Architektur gegeben. 2001/2003 beschäftigte sich die Kunsthistorikerin im Rahmen eines EU-Projektes der Technischen Universität Darmstadt zur Anwendung von CAD in der Architekturrekonstruktion (Prof. Manfred Koob) mit benediktinischen Klosterplänen wie jenem von St. Gallen. Der älteste erhaltene europäische Klosterplan und dessen Rekonstruktion führten Barbara Schedl auch in die USA. Von 2005-2009 wirkte die Wienerin am Center for Medieval & Renaissance Studies (CMRS) der University of California Los Angeles (UCLA) am Projekt “The Plan of St. Gall” und an der Erstellung einer Machbarkeitsstudie für ein geplantes Projekt “Virtuelle karolingische Klosterbibliothek“ mit.

Seit 2000 Lektorin an unserem Institut habilitierte sich Frau Dr. Schedl im Jahre 2007 mit einer Untersuchung der ehemaligen Frauenklöster des Mittelalters in Wien. Die überarbeitete Fassung dieser Studie ist nun in der Reihe „Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte“ des Vereins für Geschichte der Stadt Wien erschienen. Bereits im 13. Jahrhundert gab es in Wien innerhalb der Stadtmauer vier Frauenkonvente, das Augustiner Chorfrauenstift St. Jakob auf der Hülben, das Prämonstratenserinnenkloster St. Agnes in der Himmelpforte , das Zisterzienserinnenkloster St. Niklas in der Singerstraße als Filialkloster der Niederlassung vor dem Stubentor und das Dominikanerinnenkloster St. Laurenz am Fleischmarkt. Zwei weitere Niederlassungen waren an wichtigen Fernstraßen vor den Toren der Stadt angesiedelt: Das Zisterzienserinnenkloster St. Maria bei St. Niklas vor dem Stubentor als Mutterkloster der Niederlassung in der Singerstraße und das Maria Magdalenakloster vor dem Schottentor. Im Verlauf des 14. Jahrhunderts wurden dann noch das Klarissenkloster St. Klara und das Büßerinnenhaus St. Hieronymus gegründet. Die Rekonstruktion der Gründungsbauten und deren Ausstattung sowie das Alltagsleben der Klosterfrauen ist das Thema des Buches von Barbara Schedl, das zum Preis von 44,90 Euro im Studienverlag erhältlich ist.

Bei der Buchpräsentation im Seminarraum 1 sprachen u.a. Dekan Univ.-Prof. Dr. Michael Viktor Schwarz und der Präsident des Vereines für Geschichte der Stadt Wien, Dr. Karl Fischer.



Friedrich Polleroß      Fotos: Barbara Schedl, René Steyer