Hellmut Lorenz (1942 – 2026)

Hellmut Lorenz beim Institutsausflug 2015, Foto: Julia Rüdiger

Das Institut für Kunstgeschichte trauert um den Tod des langjährigen Mitglieds Hellmut Lorenz (11.06.1942 – 06.02.2026).

Hellmut Lorenz wurde 1972 von Renate Wagner-Rieger und Otto Pächt promoviert. 1983 habilitierte er an der Universität Wien. Von 1985 bis 1997 hatte er eine Professur am Institut für Kunstgeschichte der Freien Universität Berlin inne, von 1997 bis 2008 war er als Ordentlicher Universitätsprofessor für Kunstgeschichte an der Universität Wien tätig.

Hellmut Lorenz war einer der bedeutendsten Architekturforscher und einer der kritischsten Kunsthistoriker seiner Generation.

 

 

NACHRUF

Stimme und Sprache, Lehre und Ansporn

Zum Tod des Kunsthistorikers Hellmut Lorenz (1942–2026)

 

 

Im Jahr 1997 ging am Wiener Institut für Kunstgeschichte die Kunde über einen neu berufenen Professor um, der demnächst aus Berlin kommen würde und ein Spezialist für die Architektur des Barock sei. Ab Herbst jenes Jahres hallte dann die unverwechselbare sonore Stimme von Hellmut Lorenz durch die Gänge des Instituts oder quer durch den großen Hörsaal, wenn er in der Vorlesung ebenso freundlich wie bestimmt dem mit dem Bedienen des Diaapparates betrauten „Laboranten“ in seinem Kämmerchen zurief: „Das geht schärfer!“ Die Stimme von Hellmut Lorenz war legendär. Sie hatte Kraft, konnte einschüchtern und war Ausdrucksmittel seiner integren Persönlichkeit. Am Freitag, dem 6. Februar 2026, starb Hellmut Lorenz. Seine Stimme fehlt.

Die Stimme im ideellen Sinn war für ihn keine Selbstverständlichkeit, sondern etwas, das man lernen und üben muss. Zu dieser Überzeugung fand er, wie er erzählte, durch seinen Adoptivvater, den Journalisten Friedrich Lorenz, der ihn zu kritischem Denken und unnachgiebigem Aufmerken ermutigte – und ihn lehrte, welch präzises Instrument die Sprache sein kann. Zur Präzision im Denken, Sprechen und Schreiben forderte Hellmut Lorenz auch seine Studierenden auf. Seine Stimme erhob er nicht nur in der Lehre und in der fachlichen Gemeinschaft, sondern auch in institutionellen Gremien und in Vereinigungen wie dem Verband österreichischer Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker. Diesen Einsatz erwartete er auch von anderen.

Hellmut Lorenz studierte in Wien Kunstgeschichte, Germanistik und Archäologie und schloss 1972 mit einer Dissertation zum architektonischen und architekturtheoretischen Werk Leon Battista Albertis ab. Im selben Jahr trat er am Wiener Institut eine Assistenz bei Renate Wagner-Rieger an und wurde 1983 mit einer Arbeit über den von Wien aus in Mitteleuropa tätigen Architekten Domenico Martinelli habilitiert. Wenn Lorenz aufgrund seiner Spezialisierung als Architekturhistoriker angesprochen wurde, korrigierte er seine Berufsbezeichnung mit Vehemenz auf Kunsthistoriker, da die Architekturgeschichte für ihn selbstverständlicher Teil der Kunstgeschichte war. Nach einer Gastprofessur in Salzburg wurde er 1985 auf eine Professur an der Freien Universität Berlin berufen. 1997 kehrte er als Ordinarius an das Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien zurück, wo er bis 2008 lehrte. 2004 wurde er zudem korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Hellmut Lorenz legte größten Wert darauf, aus seiner fachlichen Kompetenz heraus definiert zu werden und nicht durch seine Position als Universitätsprofessor. Daraus resultierte die damals ungewöhnliche Aufforderung an seine Studierenden, auf die Nennung aller Titel zu verzichten und ihn als „Herr Lorenz“ anzusprechen.

Das Auftreten von Hellmut Lorenz am Wiener Institut war in jeder Hinsicht respektgebietend. Bereits in seinen ersten Lehrveranstaltungen zeigte sich eine Persönlichkeit, die mitreißend sein konnte, aber auch irritierend. Er galt als außergewöhnlich streng und konnte seinem Ärger über ein Referat, von dem er sichtlich enttäuscht war, mit harschen Worten Luft machen. Die einen fühlten sich davon angespornt, andere wurden abgeschreckt. Lorenz verlangte sachlich korrekte Beschreibungen und präzise Analysen unter Berücksichtigung aller greifbaren Quellen. Am Beginn jedes Arbeitens forderte er zur eingehenden Betrachtung des Forschungsgegenstandes auf und verwendete dafür mitunter den aristotelischen Begriff Thaumazein (θαυμάζειν), der das (Er-)Staunen, die Verwunderung umschreibt. Unvergessen daher sein oft wiederholter Appell: „Reden wir darüber, was man sieht, und nicht darüber, was man nicht sieht.“ So wie Hellmut Lorenz eine spekulative Arbeitsweise suspekt war, lehnte er eine unkritische, den Trampelpfaden kunsthistorischer Überzeugung folgende Haltung gleichermaßen ab. 

Von seinen Studierenden erwartete Lorenz Höchstleistungen und vertrat selbst eine schnörkellose Ernsthaftigkeit und Nüchternheit, die dem Gegenstand seiner Lehrveranstaltungen und Forschungen, die meist der Kunst des Barock in Mitteleuropa gewidmet waren, auf den ersten Blick zu widersprechen schien, diesem tatsächlich aber angemessen war. Obwohl sein Interesse und seine Begeisterung ansteckend wirkten, war ihm jeglicher Überschwang, der zwangsläufig zu einer unkritischen Betrachtung führen musste, fremd. Das zeigte sich nicht zuletzt in seiner konsequenten Kritik an manipulativen nationalistischen Vereinnahmungen, wie sie in den 1930er-Jahren Hans Sedlmayr mit dem Werk Johann Bernhard Fischers von Erlach und Dagobert Frey mit der Kunst Schlesiens vorgenommen hatten. Lorenz thematisierte die Rolle der Kunstgeschichte im Kontext der NS-Ideologie und die politische Verstrickung prominenter Vertreter unseres Faches.

Auch wenn Hellmut Lorenz wie kein zweiter die einzigartigen künstlerischen Qualitäten Johann Bernhard Fischers von Erlach charakterisieren und kontextualisieren konnte, lag ihm jeglicher Heroenkult fern. Er relativierte die oft überschätzte Rolle des Kaisertums in der barocken Kunstpatronage und lenkte den Blick auf den lange Zeit hindurch tonangebenden Adel. Wien als Zentrum des Habsburgerreiches stellte Lorenz zugleich die vermeintliche „Peripherie“ der kleineren Städte, Residenzen, Schlösser und Stifte gegenüber, die in Summe deutlich mehr zum Gesamtbild barocker Kunst beitrugen. Und der geographische Rahmen, den er dabei absteckte, war ein ohne jegliche Nostalgie betrachtetes historisches „Mitteleuropa“, das er durch intensive Kontakte mit Kolleginnen und Kollegen in Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Polen als gemeinsame Forschungslandschaft über nationale Grenzen und Vorurteile hinweg begriff.

Legendär sind die Exkursionen, etwa nach Dresden oder Schlesien, die von einer heute kaum mehr erwartbaren Intensität waren: Frühmorgens ging es nach einem hastig eingenommenen Frühstück los, das Programm war außerordentlich dicht, schlechtes Wetter gab es nicht – nur falsche Kleidung. Nach einem langen Tag voller gotischer Kirchen und barocker Schlösser begab man sich noch am Abend auf die Suche nach dem Mausoleum in Brzeg Dolny/Dyhernfurth. Das Glück, seinen Studierenden in der Dämmerung die in einem Wald versteckten Ruinen dieses einzigen Bauwerks von Friedrich Gilly zeigen zu können, war Hellmut Lorenz anzusehen, und es übertrug sich auf die ganze erschöpfte Meute.

Diplomarbeiten und Dissertationen betreute Lorenz mit einem schon damals selten großen Engagement, das viel Zeit in Anspruch nahm. Dabei vermittelte er in den persönlichen Sprechstunden stets das Gefühl, miteinander auf gleicher Augenhöhe über ein Thema zu sprechen, und die Gewissheit, seine Studierenden fördern zu wollen. Sein beharrliches Nachfragen, das oftmalige Stellen ein und derselben Frage ohne Groll oder Besserwisserei, zeugten von echtem Interesse und eigener Neugier. Gleichzeitig verlor sich Lorenz nicht in Ausflüchten, wenn er auf eine ihm gestellte Frage keine Antwort parat hatte: „Das weiß ich nicht, da müssen wir nachschauen!“ Seine Proseminare und Seminare, Vorlesungen und Exkursionen prägten Generationen von Studierenden und weckten in ihnen ein Interesse, das sie für ihre eigenen Arbeiten produktiv machen konnten und ihrerseits auf die eine oder andere Weise weitergeben. Zugunsten seines universitären Engagements stellte Lorenz so manches eigene Forschungsvorhaben zurück. Ein lange geplantes Buch über den barocken Palastbau in Wien, für das er das Material über Jahrzehnte zusammengetragen und akribisch geordnet hatte, kam aufgrund seiner Erkrankung nicht mehr zustande.

Wirklich vollständig wirkte Hellmut Lorenz mit seiner Frau Eva. Unser Mitgefühl ist bei ihr und der Familie.

 

Richard Kurdiovsky, Anna Mader-Kratky, Andreas Nierhaus, Julia Rüdiger

 

 

 

Hellmut Lorenz – anlässlich seines Ablebens

Aus dem Jahr 1997 berichten die damaligen Wiener Studenten, die bald Schüler und später Kollegen und Mitarbeiter von Hellmut Lorenz werden sollten, sie hätten von einem neu zu berufenden Professor gehört, der – ein Spezialist für Barockarchitektur – demnächst aus Berlin nach Wien kommen würde. Für mich war dieser neue Professor ein alter Bekannter. Selbst nur unerheblich älter als Hellmut, kannte ich ihn seit seinen Anfängen als Kunsthistoriker. 1942 geboren, studierte er in Wien Kunstgeschichte und promovierte 1972 mit einer Dissertation „Studien zum architektonischen und architekturtheoretischen Werk L.B. Albertis“. Die Betreuer waren Otto Pächt und Renate Wagner Rieger, zwei hervorragende Kunsthistoriker, als Persönlichkeiten grundverschieden, menschlich jeder auf seine Weise höchst beeindruckend. Wenn Verallgemeinerungen erlaubt sind, dann war Pächt der Methodiker und Theoretiker, der Grübler, Renate Wagner-Rieger, als Architekturhistorikerin Lorenz näherstehend, war eine unerhört effiziente Persönlichkeit – eine Frau der Tat. Hätte er zur Zeit ihres vorzeitigen Todes in Wien und nicht im fernen Berlin gewirkt, könnte ich mir vorstellen, daß er gute Chancen gehabt hätte, schon damals ihr Nachfolger zu werden. 

1983 hat sich Lorenz in Wien mit einer Arbeit über „Domenico Martinelli [1650-1718] und die österreichische Barockarchitektur“ habilitiert. Ein Werk mit dem er sich nur wenige Jahre nach dem Tod seiner Mentorin und Vorgängerin Renate Wagner Rieger als führende Persönlichkeit der mitteleuropäischen Barockarchitekur Forschung etabliert hat. Seine Bedeutung als Architekturhistoriker zu umreißen muß Berufenen vorbehalten bleiben.

Dennoch darf ich versuchen über seine Methode Folgendes stichworthaft anzudeuten. Lorenz vertritt einen interdisziplinären Ansatz. Neben dem schöpferischen Anteil des Architekten berücksichtigt er den Bildungshorizont und das Prestigebedürfnis des Auftraggebers, dessen Eingriffe in das Entwurfs- und Baugeschehen, den Einfluß von Architekturtraktaten etc.  Damit bricht er mit der simplifizierenden Ansicht, ein Bauwerk lasse sich einfach einem bestimmten Architekten zuordnen. Die komplexen Entstehungsbedingungen barocker Architektur werden anhand von oft neuem Archivmaterial (Korrespondenzen, Entwurfsmaterial etc.) transparent gemacht. Dieser von Lorenz nachdrücklich in seinem Buch über Martinelli vertretene Ansatz, ist mittlerweile Standard bei der Erforschung der barocken (und nicht nur der barocken) Architektur geworden.

 

Frisch habilitiert, absolvierte Lorenz eine Gastprofessur in Salzburg. 1985 erhielt er den Ruf auf eine C-3-Professur für Kunstgeschichte an der FU Berlin. 1994 lehnte Lorenz eine Berufung auf die C-4-Professur für Kunstgeschichte an der Universität Münster ab. Ich kann nur vermuten, daß er auf die reicheren Forschungsressourcen, die Berlin zu bieten hat, nicht verzichten wollte.  Glücklicherweise folgte er im Oktober 1997 dem Ruf der Universität Wien und war bis zu seiner Emeritierung 2008 als o. Professor am Institut für Kunstgeschichte tätig.

 

Als Hellmut Lorenz 1997 aus Berlin nach Wien zurückkehrte, war mir bewußt, wen ich erwarten durfte: abgesehen von seinem wissenschaftlichen Format, einen verläßlichen und engagierten Kollegen, für die Studierenden einen hingebungsvollen, strengen und effizienten Lehrer. 

Lorenz hat sich nie gescheut dort zuzupacken wo er gebraucht wurde. So war er bereit die Herausgeberschaft des Bandes über das 18. Jahrhundert im Rahmen der „Geschichte der bildenden Kunst in Österreich“ und des Bandes III (ebenfalls 18. Jaherhundert) des monumentalen Hofburgwerkes zu übernehmen. Bezeichnend, daß er auch in Berlin bereit war in das für ihn kalte preussische Wasser zu springen und die Aufgabe des Herausgebers der kommentierten Neuausgabe des Ansichtswerkes über die „Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz“ zu übernehmen. Ein letztes Projekt ist unvollendet geblieben. Ein Werk über die Wiener Stadtpaläste. Die vorbereitenden Notizen sind vorhanden. Das Thema ist so attraktiv, das Konzept so klar, daß man hoffen darf, daß auch dieses letzte von Lorenz begonnene Werk in Zukunft realisiert wird.  

 

Mit den Zeilen, die seiner Schüler anläßlich seines Ablebens geschrieben haben, ist ein eindrucksvolles und treffendes Bild des Lehrers entstanden, der uns hier noch einmal lebendig vor Augen tritt.  Lorenz hat seinen Schülern viel abverlangt, ihnen nichts geschenkt, ihnen aber viel gegeben und sie haben es ihm gedankt. 

Nicht nur in der Vielfalt dessen, was sie bei ihm lernen durften, sondern auch der Ernst und die Genauigkeit bei der Durchdringung des Stoffes sind sein wertvolles Vermächtnis. 

Bei aller Bewunderung und Verehrung für den Lehrern – sind seine Schüler mittlerweile auf Augenhöhe herangewachsen und zu Kollegen geworden. Nach und nach ist eine Gemeinschaft aus Lehrer und Schülern entstanden - und darum ist es ihm letztlich auch gegangen. Ich habe niemand anderen gekannt, der bei der Vorbereitung für so anspruchsvoller Aufgaben, wie es die Bände im Rahmen der „Geschichte der bildenden Kunst in Österreich“ und der Publikation über die Wiener Hofburg sind, als Herausgeber eine so intensive Zusammenarbeit mit seinen Mitarbeitern gepflegt hat, wie er. Es war ein vorbildliches Zusammenspiel bei dem ihm als Letztverantwortlichen dennoch nie die Zügel entglitten sind. Diese Zusammenarbeit mag Zeit - viel Zeit sogar -  in Anspruch genommen haben. Für seine Mitarbeiter war es eine Art von postmagistralem, bzw. postdoktoralem Studium -  ein unschätzbarer Gewinn!

„Er ist kein Blender“ hat ein ausländischer Kollege anläßlich der Rückkehr von Lorenz nach Wien über ihn gesagt und mir zu ihm als Kollegen gratuliert. Tatsächlich gibt es in all seinen Arbeiten eine Kongruenz von Anspruch und erfülltem Versprechen.

 

Ich habe Hellmut Lorenz als Freund und Kollegen erlebt. Als einen Freund, dem ich stets Respekt gezollt habe. Wir haben uns gegenseitig geschätzt, aber stets eine gewisse Distanz gewahrt. Er hat es weder den Anderen und schon gar nicht sich selbst leichtgemacht hat. Er war in jeder Hinsicht ein Mann von höchster Moral. Ein vir iustus. Daß er sich damit gelegentlich Möglichkeiten verbaut und um Vorteile gebracht hat, hat er großzügig in Kauf genommen. 

Hellmut Lorenz wird allen, die ihn gekannt haben, neben all seinen Vorzügen auch als unermüdlicher Arbeiter in Erinnerung bleiben. Er hat sich weder als Lehrer, noch als Forscher geschont und war stets bereit seine Zeit für die Sache zu opfern. Im Rückblick scheint es, als hätte er das bittere Schicksal seiner letzten Jahre vorausgeahnt und dieses mit seiner Arbeit zu kompensieren versucht.

 

Artur Rosenauer

 

 

 

 

Erinnerungen an Hellmut Lorenz

An der Universität Wien gab es einen Lehrenden, der mich während meiner gesamten Studienzeit in Wien und Berlin begleitet und fachlich geprägt hat: Hellmut Lorenz. Er vermittelte mir auf seine unnachahmliche Weise das kunsthistorische Rüstzeug und den erweiterten Horizont auf „sein“ Mitteleuropa, die den Grundstein für meine erfolgreiche berufliche Laufbahn bildeten.  Darüber hinaus verdanke ich ihm meine Frau Yvonne, die ich in einem seiner Berliner Seminare kennengelernt habe. Danke für die gemeinsame Zeit, Hellmut!

Christian und Yvonne Benedik

 

Ich habe ihm viel zu verdanken. Ich habe ihn als sehr genau, eloquent, konzis, kompetent und humorvoll in Erinnerung. 

Alexa Brauner

 

Mit großer Traurigkeit habe ich die Nachricht vom Tod von Prof. Hellmut Lorenz erfahren. Prof. Lorenz war nicht nur ein herausragender Wissenschaftler, sondern auch ein sehr hilfsbereiter, freundlicher Lehrer mit enormen Verdiensten um die Entwicklung des Faches Kunstgeschichte in ganz Mitteleuropa. Während meines Studiums an der Universität Wien in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts habe ich seine hervorragenden Vorlesungen mit Freude und Dankbarkeit besucht.

Petr Čehovský, Olomouc

 

Als Lehrer war Hellmut Lorenz eine von mir geschätzte Ausnahmeerscheinung, mit neuen Fragestellungen und präziser Methode in seiner Forschung und deren sprachlicher Formulierung. Damit hat er in Berlin und auch in Wien eine große Anzahl an begeisterten Studierenden um sich scharen können. Sein rigides Bemühen um absolute Unbestechlichkeit und Integrität als Person hat diesem großen und anregenden Lehrer die Förderung von Talenten allerdings unmöglich gemacht. Und so ist es zu bedauern, dass ein Forschungszirkel zur österreichische Barockforschung im Wiener universitären Bereich unverankert geblieben ist – seine grundlegenden Publikationen werden bleiben.

Siglinde Csuk

 

Prof. Lorenz war mein Diplomarbeitsbetreuer: Für ein Förderungsstipendium brauchte ich ein Empfehlungsschreiben – es war mir sehr unangenehm, ihn darum zu bitten, da meine Arbeit erst im Entstehen war. Umso gerührter war ich über seine sehr persönlichen und überschwänglichen Worte – Prof. Lorenz ermöglichte mir damit nicht nur das Stipendium, er prägte auch maßgeblich mein fachlich-kunsthistorisches Selbstbewusstsein, wofür ich ihm bis heute zutiefst dankbar bin.

Birgit Gabis

 

Besonders wichtig war für mich seine Forderung nach Präzision in der kunsthistorischen Arbeit. Er war derjenige, der mir die Bedeutung dieser Präzision als eine der wichtigsten Voraussetzungen für meine weitere Arbeit vermittelt hat. Bei den Vorgesprächen war sein ehrliches Interesse für mich prägend, es ließ mich beflügelt hinausgehen. Auch sein „das müssen wir erst verinnerlichen“ ist untrennbar mit seiner Person verbunden und mittlerweile in den Sprachgebrauch meiner Familie eingegangen. Für mich das Allerwichtigste:  Er hat mir trotz aller Strenge in der Lehre die Freude am Fach Kunstgeschichte mitgegeben, die mich seither nie wieder verlassen hat.

Susanna Haiden

 

Hellmut Lorenz prägte meine Studienzeit entscheidend. Besonders eine Erinnerung aus unseren Exkursionen ist für mich exemplarisch für seine markante Art zu lehren: Nach einer ausgedehnten Klosterbesichtigung forderte er uns mit sonorer Stimme und Blick über die auf der Nasenspitze sitzende Brille auf, noch „rasch“ um den gesamten von Feldern umgebenen Komplex zu „laufen“. Dadurch sollten wir dessen Dimensionen selbst erfahren und lernen, Architektur zu begreifen, statt nur Gelesenes zu wiederholen.

Roswitha Holly

 

Helmut Lorenz, für mich ein wichtiger Lehrer, prägend in seiner Klarheit, Klarheit der Sprache, Klarheit im Erfassen und Benennen von Forschungsfragen und klar in seiner Unerbittlichkeit, wenn das Ergebnis ihm zu wenig war, aber auch ganz weich, als die Studentin mit dem Neugeborenen in die Abendvorlesung kam. Das ganz Verletzliche rührte in tief. Mir bleibt der Anspruch an Logik und Präzision in der Forschung, die Erinnerung an eine wunderbare gemeinsame Zeit und gefestigte Freundschaften aus dem „Lorenzkreis“.

Elena Holzhausen

 

In lebhafter Erinnerung ist mir eine Seminareinheit, in der Hellmut Lorenz ungewöhnlich bewegt wirkte. Er berichtete von einer Sitzung, aus der er soeben kam und in der das Universitätsgesetz 2002 vorgestellt wurde. Mit großer Offenheit teilte er seine Sorge mit uns Studierenden, dieses Gesetz werde die Lehre entwerten – eine Entwicklung, der er mit großer Skepsis begegnete. Für mich war dieser Moment bezeichnend für sein leidenschaftliches Engagement als Lehrer, das mein Studium nachhaltig prägte. Dafür und für seine stets wertvolle und konstruktive Kritik als Doktorvater bin ich ihm zutiefst dankbar.

Ingrid Holzschuh

 

Mit großer Dankbarkeit nehme ich Abschied von meinem Doktorvater Hellmut Lorenz. Er war Lehrer aus Passion und ein herausragender Mentor. Sein Wunsch, von uns Studierenden nur als Herr Lorenz angesprochen zu werden, zeigt, dass ihm Nahbarkeit und Austausch wichtiger waren als Formalität. Seine Hingabe zur Kunstgeschichte und seine Bereitschaft, sich für uns immer wieder auf neue Themen einzulassen, sind mir ein großes Vorbild. Ich bin sehr dankbar, mich zu seinen SchülerInnen zählen zu dürfen.

Stefanie Jovanovic-Kruspel

 

Mit großer Dankbarkeit erinnere mich an eine Besprechung während des Studiums, wo Prof. Lorenz aus seiner Schublade eine Kunstkarte von Paul Klee herauszog: „Hauptweg und Nebenwege“ – eine wunderbare Anleitung zum wissenschaftlichen Arbeiten, nämlich bei aller Differenziertheit das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Johanna Kain

 

Professor Hellmut Lorenz war als Vortragender pointiert und pointenreich (z. B. „die der Speiseeisindustrie verpflichtete Farbästhetik“ der rekonstruierten Innenausstattung der Dresdner Frauenkirche) und als Lehrer hat er nicht nur Wissen, sondern auch Begeisterung vermittelt (auf einer Exkursion gab er uns mit, „aufs Staunen nicht zu vergessen“). Vollkommen zu Recht am Ende seiner letzten Vorlesung – bei der ich das Glück hatte, dabei zu sein – minutenlange Standing Ovation. DANKE!

Nina Kallina

 

Ich wollte mich unbedingt dem Arbeitskreis „Adelskultur der Barockzeit in Mitteleuropa“ anschließen und verfiel fast in Panik, als ich kurz vor meiner ersten Prüfung Hellmut Lorenz und seine Assistentin Huberta Weigl kommen hörte: Nun war klar, dass Huberta mich ihm vorstellen und ich nicht mehr anonym zur Prüfung antreten können würde. Ich überlegte kurz, mich hinter den Bücheregalen zu verstecken, so groß war der Respekt vor ihm. Dieser Respekt vor dem architekturhistorischen Wissen, aber auch vor der ansteckenden Begeisterung von Hellmut Lorenz ist geblieben. Ich bin stolz und dankbar, zu den „Lorenzianer:innen“ gehört haben zu dürfen.

Petra Kalousek

 

Er war ein großer Lehrer. Bass-sonore Stimme, diese aber fordernd erhebend. Ruhig bohrende Fragen, doch mit Münzen in der Hosentasche klimpernd vor Ungeduld. Berechenbar distanziert, und immer verschmitzt lächelnd. Voll Vertrauen in die Leistung der Wollenden, aber unbarmherzig klar bei den unvorbereitet Schwurbelnden. Und wenn sich der Regen von den Gesimsen der Palais ergoss und unten auf der Straße die frierenden Kollegen lernten und sahen, stand Prof. Lorenz felsenfest und erwärmte sich – und uns – mit der Lust an der Sezierung des Schönen. Er war ein leidenschaftlicher Kunsthistoriker.

Stefan Körner, Berlin

 

Ich habe Hellmut Lorenz als einen politisch sehr sozialen Menschen erlebt, der bei aller beruflichen Beschäftigung mit höchst privilegierten Eliten nie einen Hehl aus seiner ehrlich empfundenen solidarischen Einstellung zu allen Teilen der Gesellschaft gemacht hat. Während einer Exkursion nach Sachsen lud er die Dresdner Barockforscherin Monika Schlechte zu einem Gespräch mit den Student:innen ein. Tiefere Einblicke in den Forschungsalltag in der DDR mit den durch Reisebeschränkungen bedingten Schwierigkeiten und in ein Denken, das zu alternativen Lösungen gezwungen ist, habe ich nie wieder bekommen. Hellmut Lorenz hat sich dabei mit keinem Wort in das Gespräch zwischen Frau Schlechte und uns Student:innen eingemischt, sondern nur zugehört.

Richard Kurdiovsky

 

Seine größte Stärke, sich selbst zu hinter- und das Objekt als Quelle zu befragen, vor Ort, konsequent, bei jedem Wetter, mit einer Verve an Unbedingtheit – diese Unbedingtheit und kompromisslose Konsequenz, primäre Bauquellen zu zerlegen, treppauf, treppab, jederzeit die Zeitklammern fast sprengend, dieser ehrliche Weg war es, der mich das Studium abschließen ließ.

Groß auch die Stärke sich selbst zu hinterfragen: Als Hellmut Lorenz auf einer Inlandsexkursion einer Teilnehmerin, die sich wiederholt mit der Phrase „wie Sie richtig geschrieben haben“ anbiederte, entgegnete, „das habe ich auch nur abgeschrieben“, da war zwar eine kleine Welt zusammengebrochen, aber Größeres erreicht!

Robert Kuttig

 

Bei Hellmut Lorenz waren nicht nur die Vorlesungen lehrreich und interessant, sondern auch die Prüfungen. Man kam aus dem Prüfungszimmer definitiv immer mit mehr Wissen heraus, als man hineingegangen war. Die Exkursion zum Thema Adelskultur in Böhmen und Mähren war besonders beeindruckend. Sie führte uns unter anderem zum Schloss Plumlov/Plumenau, wo kaum einer der Teilnehmenden sonst hingekommen wäre. Hier staunten wir über Karl Eusebius Fürst von Liechtenstein und seine in diesem Bauwerk manifestierte Liebe zur Säule. Was man von Hellmut Lorenz lernen konnte, war das Fragen stellen und das kritische Lesen von Forschungsliteratur.  

Katharina Lovecky

 

Hellmut Lorenz hat mich in meinem kunsthistorischen Verstehen wesentlich geprägt. Als ich im Wintersemester 1997 erstmals in seiner Vorlesung „Österreichische Barockarchitektur“ saß, war mir klar, dass Lehrende wie er der Grund für meine Studienwahl waren. Ausschlaggebend waren nicht nur seine Themensetzungen, sondern auch seine Präzision – im Ausdruck, in der Beschreibung, in seinen Anforderungen. Dankbar für den Weg von der ersten Vorlesung bis zur gemeinsamen Arbeit im Forschungsprojekt „Die Wiener Hofburg 1705–1835“ fühle ich mich Hellmut Lorenz sehr verbunden.

Anna Mader-Kratky

 

Unser Kennenlernen im Sommersemester 1998 war kompliziert: nach einer vernichtenden Kritik meines Proseminar-Referates, die mir überzogen schien, wollte ich es „ihm zeigen“. Bald darauf fand ich in Hellmut Lorenz einen interessierten und stets hilfsbereiten Lehrer, der in Vielem für mich ein Vorbild geworden ist. Wenn ich heute schreibe oder mit Studierenden arbeite, dann frage ich mich häufig, was Hellmut jetzt wohl sagen würde.

Andreas Nierhaus

 

Wenn ich an Hellmut Lorenz denke, kommt mir eine bestimmte Exkursion in den Sinn: die „Ralley Dakar“ durchs Mostviertel. Ich kann mich zwar nicht mehr an alle Stationen erinnern,  aber an das Tempo, an den vor Informationen schwirrenden Kopf, an Durst und Hunger und, nicht zu vergessen, an die Zigarettenpausen unmittelbar nach dem Verlassen des Busses - all das ist mir lebhaft im Gedächtnis geblieben. Eine klassische Lorenz-Exkursion eben. Rückblickend war es die anstrengendste Exkursion meiner Studienzeit, aber ich bin froh und stolz, sie mit meinen Studienkolleg:innen „überlebt“ zu haben und dabei gewesen zu sein.

Ulrike Parzmair-Pfau

 

Hellmut Lorenz war für mich ein ganz besonderer Lehrer und Mentor. Ein Zeichen für sein Interesse am fachlichen Austausch war das tägliche Klopfen an der Assistentinnen-Tür, das ankündigte, dass er etwas Neues gefunden und gelesen hatte und gerne diskutieren wollte. Er forderte aufrichtiges Engagement – für die fachlichen Themen ebenso für die Gemeinschaft im Privatissimum und am Institut – und er erkannte es an. Durch sein Fördern des Miteinanders wuchs nicht nur das Wissen, sondern es entstanden in seinem Privatissimum ein besonders kollegiales Miteinander und viele Freundschaften. 

Julia Rüdiger

 

Wenn ich an Hellmut Lorenz denke, fällt mir seine mächtige sonore Stimme ein und sein kräftiger Händedruck. Die Tatsache, dass er bei den Exkursionen agiler war als wir Studierende und er nach vielen Stunden des Gehens und Schauens, Referierens und Diskutierens immer noch zahlreiche Orte besichtigen wollte, ist sicher so legendär wie seine Trillerpfeife, mit der er uns als Gruppe zusammenhielt. Die Einladung zum Gartenfest bei ihm zu Hause war faszinierend und zeigte einen umgänglichen Menschen. Als Kunsthistoriker war er mir mit seiner akribischen Art ein großes Vorbild.

Dagmar Sachsenhofer

 

Meine ersten Kontakte gehen auf die Zeit zurück, als noch im großen Hörsaal des Neuen Institutsgebäudes Dias in Vorlesungen gezeigt wurden. Das Saallicht erlosch, und ich hörte erstmals die klare, eindrucksvolle Stimme von Herrn Prof. Lorenz. In der Folge bildete sich eine zunehmend größer werdende Gruppe von StudentInnen um unseren Professor, die zu einer Vertiefung unseres Studienprogramms führte. Mir war es vergönnt, bis zum Abschluss meines Studiums, mit Prof. Lorenz zusammenarbeiten zu dürfen. Er wurde schließlich mein Doktorvater.

Anton Schifter

 

Als ich bei Prof. Lorenz parallel Vorlesung und Übung zu Fischer von Erlach belegte, – zunächst in dem pragmatischen Gedanken, zwei Prüfungen zu einem Thema zu absolvieren –, ahnte ich nicht, wie nachhaltig diese Entscheidung meinen weiteren Lebensweg prägen würde. Er weckte in mir ein Interesse, das weit über das Studium hinausreichte und schließlich meinen beruflichen Werdegang in der Denkmalpflege entscheidend beeinflusste. Für diese Inspiration und Förderung werde ich ihm stets zutiefst dankbar sein.

Christina Schulenburg, Berlin

 

Ende der 1990er Jahre hatte ich Glück und kam in Seminare von Prof. Lorenz. Sich mit jungen Studenten herumzuschlagen und ihnen das Schubladendenken auszutreiben, fand er wichtig. Mit dem Bann seiner kraftvollen Sprache lehrte er uns das kunsthistorische Handwerk der Wiener Schule: Hinausgehen, die Fassaden anschauen, kein Schreibtischtäter sein, alles Geschriebene hinterfragen. Damals wurde noch viel über die gefallenen Ostblock-Grenzen theoretisiert – in seinem Kopf waren sie längst überwunden.

Alena Skrabanek

 

Am eindrücklichsten ist mir in Erinnerung geblieben die Exkursion in meinem ersten Wiener Semester: die Berlin-Brandenburgische Schlösserlandschaft. Bereits in der Einführungsveranstaltung setzte er den Ton: „Es gibt dort auch einige Erhebungen, die von den Einheimischen Berge genannt werden...“ – als Österreicher konnte er die Hügelchen in Potsdam und Umgebung natürlich nicht ernst nehmen, tat dies aber mit leiser, wohlwollender Ironie kund. Für seine Grußkarten war er berühmt – in Schloss Charlottenhof schrieb er an die Institutsmitarbeiterin gleichen Namens „Welch wunderbarer Ort, Deiner zu gedenken!“ Er war Vertreter einer Kunstgeschichte, die nicht spekulativ und romantisierend, sondern faktenorientiert und systematisch vorging, und schürte in mir die Liebe zur Barockarchitektur. Requiescat in Pace!

Emil-Heinrich Ansgar Snethlage, Berlin

 

Hellmut Lorenz war für mich als Lehrer und als Mensch in gleichem Maße prägend. Er war in jeder Hinsicht konsequent und hat mir durch sein Beispiel vor Augen geführt, wie sehr intellektuelle und moralische Integrität zusammengehören, einander geradezu bedingen. Von Lorenz konnte man beobachten lernen und dabei die eigene Voreingenommenheit entlarven. Dass dies bedeutete, Gewohnheiten der Wahrnehmung und der Sprache hinter sich zu lassen, hat sich mir erst im Laufe der Zeit erschlossen.

Rainer Valenta

 

Hellmut Lorenz hat ohne Zweifel ein reiches wissenschaftliches Werk und großartige Schülerinnen und Schüler hinterlassen. Seine charismatische, immer wieder die Studierenden in Arbeitsgruppen einbeziehende Lehre zeichnete ihn aus. Davon abgesehen ist er für mich aber auch ganz persönlich wichtig geworden. Denn ohne ihn wäre ich 1998 im Studium wohl nicht von Berlin nach Wien gewechselt – und hätte dort vor inzwischen 27 Jahren meinen heutigen Ehemann Wolfgang kennengelernt...

Martin Weinzettl (geb. Pozsgai), Schwäbisch Gmünd

 

 

Wenn Sie sich mit weiteren persönlichen Erinnerungen (in zwei bis drei Sätzen) an dieser Sammlung beteiligen wollen, wenden Sie sich bitte an Andreas Nierhaus: andreas.nierhaus@univie.ac.at.