Internationaler Workshop

Settecento Malerei

Cultural Transfer Phenomena Between Italy and the Habsburg Territories

 

Am 23. und 24. Oktober 2025 lud das Institut für Kunstgeschichte zum Workshop „Settecento Malerei. Cultural Transfer Phenomena Between Italy and the Habsburg Territories“ ein. Diese Veranstaltung beleuchtete vielfältige Aspekte der historischen und kulturellen Beziehungen zwischen der italienischen Halbinsel und den Territorien des Habsburgerreiches. Dabei spielte besonders die italienische Malerei des 18. Jahrhunderts eine Schlüsselrolle. Die Organisation erfolgte unter der Leitung von Eleonora Gaudieri und Erika Meneghini in Kooperation mit dem Vienna Center for the History of Collecting. Ziel des Workshops war es, die Bedeutung und Funktion der italienischen Malerei im sozialen, politischen und kulturellen Kontext Wiens und der habsburgischen Territorien zu untersuchen. Darüber hinaus sollten die verschiedenen Dynamiken des Transfers künstlerischen Wissens an den habsburgischen Hof und die mit ihm verbundenen Domänen herausgearbeitet werden.

 

Der erste Teil der Veranstaltung konzentrierte sich auf die Sammlungen italienischer Malerei im Habsburgerreich. Stefan Albl analysierte das Werk von Giacomo Francesco Cipper, einem gebürtigen Österreicher, der hauptsächlich in der Lombardei tätig war und sich auf die Darstellung von Parallelgesellschaften spezialisierte. Ilaria Telesca erläuterte die Kunstförderung der österreichischen Vizekönige von Neapel ab 1707 im Spannungsfeld von Repräsentation und Diplomatie. Anschließend erörterte Jiří Štefaňák die Bedeutung italienischer Malerei in den Sammlungen des mährischen Adels am Ende des 18. Jahrhunderts, unter anderem Franz Anton Montelabate della Rovere, Hermann Hanibal von Blümegen und Franz Anton Magnis. 

 

Im nächsten Abschnitt wurden Kunstwerke und Objekte als Mittel kultureller Transfers untersucht. Ada Berktay zeigte, wie die Erinnerung an die Seeschlacht von Lepanto (1571) durch materielle und visuelle Kultur genutzt wurde, um dynastische Legitimität und den christlich-imperialen Triumph im italienischen und habsburgischen Kontext zu vermitteln.

Beatrice Bolandrini widmete sich den Mäzenen Anton Giorgio Clerici und Annibale Visconti. Sie agierten als künstlerische Berater der Habsburger und ließen dadurch Künstler:innen wie Giambattista Tiepolo und Mattia Bortoloni Werke schaffen, welche die dynastischen und politischen Verbindungen Norditaliens zum Wiener Kaiserhof sichtbar machten. Darauf folgte der Vortrag von Tomáš Kowalski, der die frühen italienischen Settecento-Fresken in der Slowakei vorstellte. Italienische Künstlergruppen, häufig in Wien ansässig, erhielten bedeutende Aufträge für theatralische Illusionsmalerei in Kirchen und trugen so zur Verbreitung der Prinzipien des Hochbarock außerhalb Italiens bei. Weiterhin untersuchte Tomáš Valeš, wie führende Wiener Maler:innen des 18. Jahrhunderts venezianische Kunst rezipierten. Die Untersuchung der Verbreitung venezianischer Malerei in den habsburgischen Gebieten, etwa durch Kopien und Variationen, führte zur Infragestellung der traditionellen Kategorie der „Originalität“. Den letzten Beitrag des Tages lieferte Erika Meneghini. Sie beleuchtete die weitreichende Rezeption von Francesco Solimenas Werken in Wien und dessen Umgebung. Seine Kompositionen verbreiteten sich über die Alpen hinaus, wodurch Solimena zu einem der einflussreichsten süditalienischen Maler des Settecento avancierte.

Am 24. Oktober fanden der dritte und vierte Abschnitt der Tagung statt. Der erste davon widmete sich Künstler:innen, die als Kulturvermittler:innen zwischen Italien und den habsburgischen Regionen wirkten. Exemplarisch erläuterte Francesco Ceretti die internationalen Reisen des Malers Pietro Bellotti. Dabei wurde sein Einfluss auf Genre- und Porträtmaler wie Martin Dichtl hervorgehoben. An den vorherigen Beitrag anknüpfend widmete sich Eleonora Gaudieri anhand archivalischer Quellen Daniele Antonio Bertoli und beleuchtete seine Aktivitäten am habsburgischen Kaiserhof in den ersten vier Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts. Enrico Lucchese rekonstruierte die künstlerische Tätigkeit des venezianischen Malers Giovanni Antonio Pellegrini in Wien und den habsburgischen Territorien, anhand von Korrespondenz und Zeichnungen. Zuletzt beleuchtete Laura Facchin Angelika Kauffmanns Aufenthalte in den Territorien unter imperialer Herrschaft sowie ihr Einfluss und ihre Funktion als Referenzpunkt für Künstler:innen des habsburgischen Reiches in Rom.

Im letzten Veranstaltungsteil wurde die Rolle von Institutionen wie Akademien und Museen als Vermittler von Transferphänomenen thematisiert. Zunächst konzentrierte sich Susanne Müller-Bechtel auf das akademische Aktstudium als Medium für den Wissenstransfer zwischen Rom und den habsburgischen Städten Wien und Mailand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Im Anschluss verdeutlichte Lorenzo Giammattei die zentrale Bedeutung Roms für die künstlerische Ausbildung österreichischer Künstler:innen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Zuletzt setzte Paolo Pastres Wien und Florenz in Beziehung, um die unterschiedlichen Präsentationskonzepte der kaiserlichen Galerien um 1780–1781 zu beleuchten.

Ergänzend zum Vortragsprogramm bot sich den Teilnehmenden die Möglichkeit, kunsthistorische Wahrzeichen zu besichtigen, die in engem Zusammenhang mit den im Workshop behandelten Themen stehen. Dank der Mitwirkung von Timothy Juckes vom Bundesdenkmalamt war es möglich, die laufenden Restaurierungsarbeiten an den Fresken der Alserkirche zu besichtigen, die vermutlich von einem italienischen Maler im 18. Jahrhundert geschaffen wurden. Am zweiten Tag standen die Schlosskapelle und die Blaue Stiege in Schloss Schönbrunn im Fokus, wo prominente, bisher kaum erforschte venezianische Gemälde und Fresken der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu sehen waren.

Autorin: Maia Murdunescu

 

Foto:  Sebastiano Ricci, Der Weg des Tugendhelden, 1701-1702, Wien, Schloss Schönbrunn, Blaue Stiege  © Schönbrunn Group / Foto: Alexander Eugen Koller

 

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