Die Handschriften aus Italien, Frankreich, Böhmen und Mähren.
Beitrag zum Katalog der illuminierten Handschriften des
14. Jahrhunderts in der Universitätsbibliothek Graz

 

FWF-Projekt: P28767-G24
Laufzeit: 1. 1. 2016 - 31. 12. 2020

Projektleitung: Dr. Christine Beier
Mitarbeiterinnen: Mag. Christina Weiler (1. 1. 2016 bis 31. 5. 2017), Sophie Dieberger, MA (1. 9. 2017 bis 31. 10. 2018), Mag. Dr. Michaela Schuller-Juckes (16. 5. 2019 bis 15. 2. 2020)


Der Wissens- und Kulturtransfer im Mittelalter, sein Anteil am Entstehen des modernen Europa, an dessen wissenschaftlich-technischem Aufschwung und an der Ausbildung von kultureller Identität und Diversität ist ein aktuelles Thema in den Humanwissenschaften. Wichtige Träger der Informationsvermittlung waren Bücher, mit deren Hilfe komplexe Inhalte über weite Distanzen transportiert und, dank der fast durchgängigen Verwendung von Latein, europaweit verstanden werden konnten.

Das Projekt war zwei Gruppen von illuminierten Handschriften des 14. Jahrhunderts in der Universitätsbibliothek Graz gewidmet, die einen Eindruck von der materiellen Seite dieses Transfers vermitteln können: Die eine setzte sich aus Büchern zusammen, die in Italien, Frankreich, Böhmen und Mähren entstanden sind und über verschiedene Klöster der Steiermark und Kärntens nach Graz gelangten. Bei der zweiten Gruppe handelte es sich um Handschriften, die in der Region, möglicherweise in den Klöstern selbst, im Stil der importierten Bücher ausgestattet wurden.

Für die erste Gruppe wurde danach gefragt, wann diese Bücher importiert wurden und welche Auswirkungen sie auf die einheimische Buchmalerei hatten. Neben der allgegenwärtigen Übernahme einzelner Motive und bestimmter Strukturen der Ornamentsysteme, die an sich schon einen permanenten Austausch belegt, zeigt die zweite Gruppe der untersuchten Handschriften, dass in der Region Buchschmuck entstanden ist, der in seiner Gesamtheit dem der importierten angeglichen ist. Die These war, dass diese Buchmalereien von lokalen Künstlern stammen, die sich an den anspruchsvolleren Ausstattungssystemen der Importe orientierten, und es wurde gefragt, welche Arbeiten als Vorlage oder Vorbild eine Rolle gespielt haben könnten, ob sich eine zeitliche Korrelation zu den Importen herstellen lässt und ob für bestimmte Textgattungen derartige Übernahmen besonders häufig nachzuweisen sind.

Ein wichtiges Ziel des Projektes war es, mit Hilfe von Handschriften, deren Herkunft und Geschichte mit kunsthistorischen Methoden gut zu eruieren ist, Modelle zu erarbeiten, die einen Eindruck von den Verflechtungen der Buchkultur des 14. Jahrhunderts vermitteln. Auf diese Weise sollte eine Grundlage für weitere Untersuchungen geschaffen werden, die sich mit dem Buch als Medium für den Transfer von kulturellen Entwicklungen, Fachwissen oder religiösen Vorstellungen im mittelalterliche Europa befassen.

Die Ergebnisse wurden in die Form der Beschreibungen und Analysen gebracht, die für die Kataloge der illuminierten Handschriften in österreichischen Bibliotheken üblich ist: Diese umfasst Angaben zu Kodikologie, Inhalt, Provenienz sowie Quantität und Platzierung des Buchschmuckes. Die oben angesprochenen Themen wurden in dem Abschnitt  behandelt, der die stilistische Einordnung enthält, die durch die Berücksichtigung der genannten Aspekte auf eine neue Art geleistet und untermauert wird. Ein umfangreicher Abbildungsteil, der sowohl die Grazer Handschriften als auch die für die Argumentation notwendigen Vergleichsabbildungen umfasst, begleitet die Darlegungen. Die Publikation soll gemeinsam mit den Ergebnissen des Projektes zur Untersuchung der heimischen Buchmalerei in Grazer Handschriften des 14. Jahrhunderts erfolgen, die nun zusammengestellt und für die Drucklegung sowie eine Onlinepräsentation vorbereitet wird.