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100. Geburtstag von Sir Ernst H. Gombrich

Am 30. März 2009 jährt sich zum hundertsten Mal der Geburtstag eines der bekanntesten Wiener Kunsthistoriker. Professor Sir Ernst Gombrich wurde im Jahre 1909 in Wien als Sohn eines Juristen und einer Pianistin geboren. Nach dem Besuch des Theresianums studierte er von 1928-33 Kunstgeschichte an unserem Institut sowie Archäologie bei den Professoren Julius von Schlosser, Hans Tietze und Emanuel Loewy. Gombrichs Dissertation befasste sich mit der Architektur Giulio Romanos.
Der Student besuchte aber auch Vorlesungen für Psychologie sowie Philosophie und kam mit dem „Wiener Kreis“ in Kontakt, dessen Leiter Moritz Schlick 1936 auf der Treppe der Universität ermordet wurde. Gleichsam als Fingerübung schrieb der junge Doktor 1935 „Eine kurze Weltgeschichte für junge Leser“, die aufgrund des großen Erfolges gleich in fünf Sprachen übersetzt wurde. Anschließend arbeitete Gombrich als Forschungsassistent von Dr. Ernst Kris, der damals am Kunsthistorischen Museum Kustos der Sammlung für Plastik und Kunstgewerbe war. Gemeinsam mit dem neben seiner Museumsarbeit eine psychoanalytische Praxis betreibenden Kris publizierte Gombrich 1940 ein Buch über Karikatur. In dieser Wiener Beschäftigung mit der Psychologie wurde auch der Grundstein für eines der Hauptwerke Gombrichs gelegt, das 1960 veröffentlichte Buch „Art & Illusion/Kunst und Illusion“. Denn dieses stellt eine grundlegende Untersuchung der Geschichte und Psychologie der Bildrepräsentation dar.
Schon 1936/37 wanderte Ernst Gombrich nach England aus, um am Warburg Institute in London zu arbeiten. Unter der Leitung des ebenfalls aus Wien stammenden Fritz Saxl war nämlich die Bibliothek von Aby Warburg im Jahr der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland 1933 von Hamburg nach London übersiedelt. Saxl, aber auch Gombrich, Kris und Tietze sahen sich nämlich zunehmenden antisemitischen Repressalien ausgesetzt. Zur Erinnerung an die über 70 vor und nach 1938 verfolgten und aus Wien vertriebenen StudentInnen und AbsolventInnen des Wiener Institutes wurde 2008 das Denkmal im Hof 9 errichtet, und auch eine Ausstellung widmet sich diesem Thema.
Während des Zweiten Weltkrieges war Ernst Gombrich bei der BBC beschäftigt. Danach kehrte er ans Warburg Institute zurück und wurde 1959 zu dessen Direktor ernannt. 1970 veröffentlichte Gombrich eine Biographie über Warburg (1866-1929), dessen Interesse für das antike Erbe der Wiener Kunsthistoriker in seinen Beiträgen über die italienische Renaissance in „Norm and Form“ (1966) und „Symbolic Images“ (1972) weiterführte.
Bis 1976 war Ernst Gombrich außerdem Professor für Kunstgeschichte an der University of London sowie Gastprofessor in Oxford, Cambridge und Harvard. 1972 von der englischen Königin geadelt wurde Sir Ernst 1988 zum Mitglied des Order of Merit ernannt. Prof. Gombrich war u.a. Ehrenmitglied des Österreichischen Kunsthistorikerverbandes und trat auch mehrfach im Rahmen der "Wiener Vorlesungen" auf. 1995 hielt er eine Vorlesung an unserem Institut. In diesem Zusammengang entstand die Zeichnung über die zweifache Lesemöglichkeit des „O“ in der Reihe „AEIO123“. Ernst Gombrich starb am 3. November 2001 in London im Alter von 92 Jahren. Sein Nachlass befindet sich im Warburg Institute.
Das Jubiläum wird u.a. mit einem Symposium in Greifswald und einer Festveranstaltung an unserem Institut gefeiert. Das Alfried Krupp Wissenschaftskolleg widmete sich Ende März u.a. mit Vorträgen von Willibald Sauerländer, Hans Belting und Hans Aurenhammer Gombrichs Einfluß auf die Entwicklung der heutigen Bildwissenschaft in Europa und China.
Am Wiener Institut haben am 30. März Charles Hope, der aktuelle Direktor des Warburg Institute, sowie Raphael Rosenberg über Gombrich gesprochen und es wurde ein Fernsehinterview des Kunsthistorikers Wolfgang Georg Fischer mit Ernst Gombrich aus dem Jahre 1995 gezeigt.
Friedrich Polleroß
Fotos: Jane Bown und Karl Pani

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