Illuminierte Inkunabeln in der Österreichischen Nationalbibliothek. Mitteleuropäische Schulen (ca. 1450-1475)

FWF-Projekt P25732-G21
Laufzeit 04.03.2014 - 31.07.2017

Projektleiter: O. Univ.-Prof. Dr. Michael Viktor Schwarz
Dr. Andreas Fingernagel (Direktor der Sammlungen von Handschriften
und alten Drucken der Österreichischen Nationalbibliothek)

Mitarbeiter:
Dr. Armand Tif (armand.tif@univie.ac.at) (bis 30. 11. 2016)
Dr. Caroline Zöhl (caroline.zoehl@univie.ac.at) (bis 30. 11. 2016)


Das Projekt ist Teil der in Wien seit über 100 Jahren erfolgreich betriebenen Katalogisierung aller illuminierten Handschriften und Inkunabeln in österreichischen Beständen. Ziel ist die kunsthistorisch systematische Erschließung der 236 im Zeitraum bis 1475 im deutschen Sprachraum (Österreich, Deutschland, Schweiz) mit Buchmalerei ausgestatteten Inkunabeln der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB). International ist dies das erste großangelegte Katalogisierungsprojekt von Buchmalerei ausschließlich in Inkunabeln einer repräsentativen Großsammlung.

Die Buchkultur der Inkunabelzeit ist stark geprägt von dem durch die neuen technologischen Buchherstellungsverfahren einsetzenden Wandel der Medienlandschaft. Verschiedene Aspekte dieses Umbruchs sind in dem zu katalogisierenden Bestand zu beobachten (Druckauflage mit vorgegebenem Layout, Druckgrafik und sekundäre Dekoration, Massenproduktion und serielle Buchmalereiausstattung). 135 Bände weisen eine hochwertige Deckfarbendekoration auf, wobei zwölf Codices mehrere szenische Figurendarstellungen und davon fünf reichhaltige Bildzyklen beinhalten. 101 Exemplare sind lediglich mit Federzeichnungen, Fleuronnée oder marginalem Buchschmuck ausgestattet. Die umfangreichsten Materialgruppen können nach Österreich (v. a. Wien/Niederösterreich und Salzburg) und Süddeutschland (v. a. Augsburg) lokalisiert werden. Schwerpunkte bilden die Werke Ulrich Schreiers, des Meisters des Friedrichsbreviers, Johannes Bämlers und der früher sogenannten Augsburg-Salzburger Missalienwerkstatt, wobei die illuminierten Inkunabeln vor allem theologische und juristische Texte zum Inhalt haben.

Das bewährte Katalogisierungsschema der Wiener kunsthistorischen Handschriftenkataloge (Voll- und Kurzbeschreibung, sowie Liste der Codices mit geringfügigem Buchschmuck) soll an die Spezifika der Inkunabeln (bibliografische Angaben zur Druckauflage) angepasst werden, wobei für größere Werkgruppen mit serieller Ausstattung ein geeignetes übergreifendes Beschreibungsschema entwickelt wird.
Ergänzend zur Publikation eines gedruckten Katalogs, werden die Ergebnisse des Projektes entsprechend den Vorgaben des FWF online publiziert. Die transdisziplinären Aspekte der Buchmalereiforschung im Kontext des Wandels der Medienlandschaft in der Inkunabelzeit (Massenproduktion, Buchhandel, Buchillustration) lassen weitreichende Ergebnisse für verschiedene Disziplinen der historischen Kulturwissenschaften erwarten.

Nationaler Forschungspartner:
Österreichische Nationalbibliothek, Sammlung von Handschriften und alten Drucken

Kooperationspartner:
Österreichische Akademie der Wissenschaften, Institut für Mittelalterforschung, Abteilung Schrift und Buchwesen