Troja im Trecento 
Erzählen mit Bildern, im Bild und zwischen Wort und Bild

FWF-Forschungsprojekt: P22925 (17.10.2010 - 16.10.2013)

Leiter: O. Univ.-Prof. Dr. Michael Viktor Schwarz

Mitarbeiterin: Mag. Dr. Costanza Cipollaro


Gegenstand der Untersuchung sind umfangreiche Bilderfolgen zum Trojastoff in italienischen Prunkhandschriften des 14. Jahrhunderts. Es handelt sich dabei um Ausgaben des Roman de Troie von Benoît de Sainte-Maure und der Historia destructionis Troiae von Guido de Columnis, einer lateinischen Prosafassung von Benoîts französischem Langgedicht. Mehr noch als andere Epen aus Nordwesteuropa war der Trojastoff in Italien durchschlagend erfolgreich. Seine Aneignung, die nach dem Vorbild der Äneis oft im Sinn einer lokalen Gründungslegende geschah, führte unter anderem zur Produktion neuer Bildwelten auf regional unterschiedlicher Grundlage.

Ziel der Untersuchung ist es, die Bedeutung dieser noch kaum erschlossenen, äußerst reichen Bildwelten für die Ausdifferenzierung der Trecento-Malerei und die Entwicklung der Textillustration zu reklamieren. Zu diesem Zweck werden die Manuskripte auf das verarbeitete Vorbildmaterial hin untersucht und verglichen. Dabei soll sowohl von der Darstellungstechnik als auch von den Erzählformen her argumentiert werden: Wie wird der um 1300 jeweils gegebene (und sich langsam erweiternde) Stand der Darstellungstechnik genutzt, um die in den Texten sehr anspruchsvoll beschriebenen und bis dahin noch kaum visualisierten Handlungen in Bilder und Sequenzen von Bildern zu übersetzen? Worin besteht das regionale Profil, worin der Neuigkeitswert dieser Kreationen? Wie werden lokale Traditionen im Sinn einer kulturellen Aneignung des Textes eingesetzt, wo wird die Fremdartigkeit des Textes in visuelle Innovation umgemünzt? Welche Folgen haben die Bilderzyklen in der Buchmalerei und im monumentalen Medium?

Das Bild von der visuellen Kultur des Trecento und von der vorneuzeitlichen visuellen Kultur Italiens ist ohne die angemessene Berücksichtigung der noch wenig beforschten Illustrationen zu französischen Epen einseitig. Das zeigten gerade die Überblickspublikationen und Ausstellungen der letzten Jahre, die dem Nachleben Giottos gewidmet waren und - den großen Erzählungen von Humanismus und Renaissance verpflichtet - diesen Aspekt ausblendeten. Die Illustrationen zum Trojastoff sind ein zugleich überschaubarer und in seinen reichen Kontexten vielversprechender Komplex, der sich anbietet, die Lücke zu verkleinern und das Bild zu korrigieren.

 

Publikationen

Costanza Cipollaro und Michael Viktor Schwarz, Ein Troja-Roman für Kaiser Ludwig den Bayern? In: Codices manuscripti 78/79 (2011), 53-58

Costanza Cipollaro, Turone de Maxio, miniatore del Roman de Troie di Parigi (Bibliothèque Nationale de France, ms. Français 782), In: Codices manuscripti 85/86 (2012), 16-22

"Una galleria di battaglie per Roberto d'Angiò: nuove riflessioni su l'"Histoire ancienne jusqu'à César" di Londra (British Library, ms. Royal 20 D I)", in: Rivista d'arte. Periodico Internazionale di Storia dell'arte Medievale e Moderna Rivista annuale, 3, 2013, 1-34