Die illuminierten Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek Mitteleuropäische Schulen VIII

FWF-Projekt P 23176-G21 (Laufzeit 01.02.2011-31.12.2015)

Projektleiter: O. Univ.-Prof. Dr. Michael Viktor Schwarz, Dr. Andreas Fingernagel (Direktor der Sammlungen von Handschriften und alten Drucken)
Mitarbeiterinnen: Dr. Regina Cermann, Dr. Carmen Rob-Santer, Dr. Caroline Zöhl, Kristina Kogler BA MA


Das Projekt ist Teil der wissenschaftlichen Katalogisierung der illuminierten Handschriften und Inkunabeln des Mittelalters, die von Wien aus seit über 100 Jahren erfolgreich betrieben wird. Leitfiguren dieser Tradition maßgeblicher Grundlagenforschung sind Franz Wickhoff (1853-1909), Hermann Julius Hermann (1869-1953), Otto Pächt (1902-1988) und Gerhard Schmidt (1924-2010).

Während der Projektphase 2011-2014 soll ein Großteil der wissenschaftlichen Beschreibungen der insgesamt 375 Handschriften mitteleuropäischer Entstehung (Österreich, Deutschland, Schweiz) aus dem Zeitraum von 1450 bis1475 erstellt werden, für die im Vorgängerprojekt (P 19684-G08) bereits weitreichende Vorarbeiten geleistet worden sind.

Das 3. Viertel des 15. Jahrhunderts stellt für die Buchproduktion in mehrfacher Hinsicht eine Periode tiefgreifenden Wandels dar. Allgemein führt der Anstieg der Lesefähigkeit zu einem dichteren, immer mehr Lebensbereiche erfassenden Verschriftlichungsprozess, der mit Hilfe von verschiedenen Reproduktionsverfahren nochmals gesteigert wird (Holzschnitt, Kupferstich, Typendruck, Blockbuch).

Die daraus resultierenden Änderungen des äußeren Erscheinungsbildes des Buches bilden die in MeSch VII aufzubereitenden Materialien durchaus ab: 37 Handschriften verfügen über umfangreiche Bildprogramme, die von zehn bis weit über 200 Darstellungen reichen. 138 Codices besitzen z. T. hochwertigen Deckfarbendekor (36 davon figürlich), 141 sind mit Federzeichnungen oder Graphiken und Fleuronnée versehen, 59 weisen marginalen Schmuck bzw. lediglich Lombarden auf.

Schwerpunkte stellen das Œuvre des Lehrbüchermeisters dar, Handschriften mit dichten Sequenzen von Federzeichnungen (verschieden Textgattungen: Welt- und Konzilschroniken, Historienbibeln, Fecht-,Fabel-, Wappenbücher, Speculum humanae salvationis, Jean de Mandevilles Reise in das Hl. Land, der Blial des Jacobus de Theramo, das Buc der Natur des Konrad von Megenbeg u.ä.) und eine breite Schicht qualitativ ansprechender Codices, die im Kontext der Klosterreform zu sehen sind.

Daneben sind Formen der seriellen Handschriftenproduktion zu verzeichnen (Rationalisierung und Standardisierung in der Fertigung, Einsatz von Graphik), die mit der Verbreitung des Buchdrucks einhergehen und neben den bereits eingeführten Beschreibungsmodellen (Vollkatalogisat, Kurz- bzw. Listenbeschreibung) vermutlich weitere, eher zusammenfassende Darstellungsweisen erforderlich machen.

Nationaler Forschungspartner:
Österreichische Nationalbibliothek, Sammlung von Handschriften und Alten Drucken

Kooperationspartner:
Österreichische Akademie der Wissenschaften, Kommission für Schrift und Buchwesen des Mittelalters