Die illuminierten spätgotischen Handschriften und Inkunabeln
der Oberösterreichischen Landesbibliothek in Linz

Projektleitung: Dr. Katharina Hranitzky

Mitarbeiterin: Mag. Michaela Schuller-Juckes


Seit Herbst 2005 werden neben den Handschriften und Inkunabelbeständen der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien und der Universitätsbibliothek Graz auch die illuminierten Handschriften, Inkunabeln und Postinkunabeln der Oberösterreichischen Landesbibliothek in Linz im Rahmen von Forschungsprojekten katalogisiert, die vom Forschungsfonds (FWF, Austrian Science Fund) gefördert werden. Begonnen wurde mit dem spätmittelalterlichen Bestand. In einem ersten Schritt wurden alle Bände aus dem Zeitraum 1450-1530 beschrieben, die in Österreich oder Bayern ausgeschmückt wurden (abgeschlossenes FWF-Projekt P18282 G06).

Das gegenwärtig untersuchte Bücherkonvolut setzt sich aus den Handschriften und Drucken aus der Zeit von ca. 1450-1530, die außerhalb Österreich und Bayerns illuminiert wurden, aus den Inkunabeln, die ihren Schmuck im Stift Suben erhielten, und aus den Handschriften der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zusammen (laufendes FWF-Projekt P21481 G21). Wertvolle Synergien ergaben und ergeben sich weiterhin mit den parallel laufenden, am Otto-Pächt-Archiv im Institut für Kunstgeschichte angesiedelten Projekten, in denen bis vor kurzem dieselben Zeittranchen behandelt wurden. Grundsätzlich erfolgt die Beschreibung der Objekte gemäß des Schemas, das für die Katalogisierung der illuminierten Handschriften der ÖNB entwickelt wurde. Der Schwerpunkt wird demnach auf die analytische Beschreibung und die stilgeschichtliche Einordnung des Buchschmuckes gelegt. Daneben enthalten die Katalogtexte eine genaueste codicologische Beschreibung der Bände, eine Analyse ihrer Einbände, eine detaillierte Rekonstruktion ihrer Provenienzgeschichte sowie eine dem aktuellen Forschungsstand entsprechende Bestimmung ihres jeweiligen Inhaltes. Insofern, als die erstmalige katalogmäßige Erfassung der illuminierten gedruckten Bände (als individuelle Exemplare einer Auflage) nach einer Anpassung des für die Handschriften gültigen Beschreibschemas an den neuen Buchtyp mit seinen Gesetzmäßigkeiten verlangte, wurde im Linzer Katalogisierungsprojekt methodisches Neuland betreten.

Die Sammlung Altes Buch der OÖLB setzt sich im Wesentlichen aus den Bibliotheken der unter Kaiser Joseph II. säkularisierten oberösterreichischen Klöster zusammen. Zum Bestand an illuminierten Objekten aus dem genannten Zeitraum - er umfasst rund 55 Handschriften und Fragmente sowie 200 Inkunabeln - gehört demnach eine größere Zahl an einfach dekorierten Bänden, deren Buchschmuck in den Werkstätten der Klöster hergestellt wurde und die somit deren Fortbestehen bis in die Inkunabelzeit hinein dokumentieren. Daneben verwahrt die OÖLB aber auch zahlreiche prachtvoll illuminierte Bände, die hohen Ansprüchen zu genügen hatten und deren Ausstattung daher bei so angesehenen professionnellen Buchmalern wie Ulrich Schreier aus Salzburg, Berthold Furtmeyr aus Regensburg oder dem anonym gebliebenen Meister des Friedrichbreviers in Auftrag gegeben wurde - sei es von Klöstern oder von geistlichen oder weltlichen Würdenträgern, über die die betreffenden Bände dann in die Stiftsbibliotheken kamen. Auch Gelehrte sind unter den Vorbesitzern der Linzer Bücher vertreten; aus ihren Büchersammlungen stammen sowohl einfach dekorierte als auch reich illuminierte Bände. Ein großer Teil des behandelten Bestandes besteht schließlich aus Inkunabeln mit standardisierter, serienmäßiger Ausstattung, die in Nürnberg, Augsburg, Leipzig oder Passau auf Vorrat illuminiert und vielfach auch gebunden und häufig von den Druckern vertrieben wurden. Bücher dieses Typs gelangten in den Besitz sowohl von Klöstern als auch von Privatpersonen.
Als Arbeitsgrundlage für die Erschließung der Handschriften dient den Bearbeiterinnen der 1935 von Konrad Schiffmann verfasste, ungedruckte Katalog Die Handschriften der öffentl. Studienbibliothek Linz. Die Inkunabeln sind im Inkunabelkatalog der OÖLB erfasst, der auch knappe Beschreibungen der Exemplare enthält.
Der in Rahmen des Linzer Katalogisierungsunternehmens erstellte Katalog wird einerseits, in den Katalogbeschreibungen, die Handschriften und Drucke als Einzelobjekte vorstellen und andererseits, in den einleitenden Texten, neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die Buchproduktion vornehmlich im deutschsprachigen Raum des 15. und beginnenden 16. Jahrhunderts enthalten, die durch die synthetische Interpretation der zahlreichen Einzelergebnisse zu gewinnen sein werden. Es ist geplant, den Katalog in gedruckter Form, als Band der Reihe V der Veröffentlichungen der Kommission für Schrift und buchwesen des Mittelalters (hg. v. M. V. Schwarz), zu publizieren.